Der BALLacker

… von Bällen und Äckern

Die Glückskinder und der Grottenkick

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Die Hälfte der Viertelfinale waren geschafft und mit dem Einzug von Wales ins Halbfinale gab es auch in dieser Runde schon die erste Sensation. Aus deutscher Sicht ging es dann aber erst am Samstagabend richtig los, stand doch der Hammer Deutschland gegen Italien in Bordeaux auf dem Spielplan. Vorm Anpfiff war bemerkenswert, dass Mario Götze jetzt auch selbst in den Medien keine größere Rolle mehr spielte, was wieder die altbekannten Fragen im Zusammenhang mit seiner Demontage aufwirft. Eher zu erwarten war, dass es vorm Spielbeginn schon 2:0 für die Italiener stand, so gab es das 1:0 in Sachen Stil beim Betreten des Stadions und das 2:0 folgte mit dem Absingen der Hymnen und da gaben die Italiener diesmal noch nicht einmal Vollgas. All dies zählte natürlich nicht, sondern nur die harten Fakten auf dem Platz und die führten in der Halbzeit zur Feststellung, die bis dahin schlechtesten ersten 45 Minute des Viertelfinals präsentiert bekommen zu haben. Dementsprechend war auch die Stimmung im Stadion, meistens hörte man nur Beschimpfungen der deutschen Fans gegenüber dem Gegner, was vom übertragenden Staatsfernsehen mit keiner Silbe erwähnt, geschweige denn kritisiert wurde. Dies zeigt, dass man auch die ganze Rassismusdebatte dort unter Heuchelei verbuchen kann. In der zweiten Hälfte holten die LÖWenherzen die Brechstange raus und es wurde ein richtiges Gebolze und Geholze, was aber immerhin in der 65. Minute, nach einer glücklich abgefälschten Flanke, zum 1:0 führte. Wenn man schon solches Glück hat, sollte man von einem Weltmeister erwarten können, dieses Ergebnis zu mindestens über die Zeit gerettet zu bekommen. Dann kam aber wieder der brillenverkaufende Lieblingsnachbar ins Spiel und sorgte mit einem völlig sinnfreien Handspiel für einen Elfer, welchen die Italiener auch verwandelten. So wurden aus 90 kaum erträglichen Minuten auch noch 120 Minuten, welche es locker ganz nach oben bei den anstrengendsten Spielen des Turniers schafften.

Der vorgezogene Titelgewinn
All dies passte kein Stück zu dem, was man seit Wochen von der DFB-PR präsentiert bekam. Es ging in die Lotterie, das erste Elfmeterschießen für Bundestrainer Joachim Löw stand an und man war entspannt, schließlich hatte er dies trainiert. Es sollte aber weitergehen, wie es der Turnierverlauf erwarten ließ. Mesut Özil patzte auch diesmal wieder und man sollte ihn nun mindestens in diesem Turnier nicht mehr an den Punkt lassen. Warum Thomas Müller schießen dürfte, bleibt auch unverständlich, denn das Mr. Chancentod auch nicht verwandelte, überraschte niemanden. Dann gilt es noch Bastian Schweinsteiger zu erwähnen, der mit seinem Himmelselfer noch einmal untermauerte, warum er sich die Rente längst verdient hat und dies auch endlich umgesetzt werden sollte. Nun griff aber wieder das Glück, welches man bald schon wieder unter dem Begriff Turniermannschaft verkauft bekommen wird. Die Italiener machten das Ganze tatsächlich noch schlechter und so endete der Abend tief in der Nacht mit eine 7:6-Sieg und damit war die DFB-Auswahl im Halbfinale. Ganz nebenbei war dies natürlich auch der erste wichtige Sieg gegen ein italienisches Team überhaupt aber dies sollte man auch nicht zu hochhängen, schließlich wurde oft genug darauf hingewiesen, dass es so etwas, wie ein Italientrauma, gar nicht geben würde. Schaut man sich die nun noch verbleibenden Optionen an, war dies wohl der Titelgewinn, außer man macht sich noch zum größten Deppen in ganz Europa. In der Gesamtheit erinnerte der deutsche Turnierverlauf doch bislang wieder sehr an die WM 2014 in Brasilien und man weiß, wie dies endete. Außerdem schert sich jetzt auch niemand mehr darum, wie glücklich dieser Titelgewinn war. Man muss einräumen, dass Jogi Löw das Spiel mit dem Glück wirklich perfektioniert hat und so lange dies auch weiterhin zu dem versprochenen Titel führt, ist wirklich alles in bester Ordnung.

Der Gastgeber und das Sensationsteam
Eine weitere Sensation, neben Wales im Halbfinale, war zuvor schon der Einzug der Isländer ins Viertelfinale, welcher nun in Saint-Denis gegen den Gastgeber abgerundet werden sollte. Zwölf Minuten war es vor allem auch ein Kampf der Schlachtgesänge, dann wurden erst einmal Fakten auf dem Platz geschaffen und Frankreich ging mit 1:0 in Führung. Dies sollte erst einmal kein Problem für die Wikinger sein, waren sie doch schon häufiger in dieser Situation. Es gab allerdings keine zehn Minuten später einen Unterschied, denn die Franzosen legten gleich noch einen nach und somit hatten die Isländer einen Rückstand vor sich, den sie so nicht kannten. Kurz vor der Pause minimierten die Franzosen die Chancen auf eine Fortsetzung der isländischen Sensation mit einem Doppelschlag dann sehr eindeutig. So ging es mit einem 4:0 in die Halbzeit. Ein Spektakel, wie man es bislang in diesem Turnier noch nicht erlebt hatte. Natürlich war dies unendlich viel besser, als der Grottenkick vom Vorabend in Bordeaux. Die zweite Halbzeit ging ähnlich toll weiter, wie in den ersten 45 Minuten und so fiel schon gut zehn Minuten nach der Pause der nächste Treffer. Es sollte den Anschluss für die Isländer geben, womit es nur noch 4:1 stand. Nun muss man einräumen, dass dies nur für wenige Minuten galt, denn dann stellten die Franzosen den alten Unterschied wieder her und erhöhten auf 5:1. Den Auftakt zur in diesem Turnier so wichtigen Schlussphase machten dann wieder die Isländer und kamen so noch einmal ran. Dies war dann allerdings auch gleichzeitig der Schlusspunkt einer grandiosen Partie, in welcher mit einem 5:2 auch die meisten Treffer während der regulären Spielzeit bei dieser Europameisterschaft fielen. Somit fällt das Fazit der Viertelfinale auch ziemlich einfach aus, zwei komplett unbrauchbare Spiele in denen sich Portugal und Deutschland durchsetzten und zwei Highlights bei denen Wales und Frankreich weiterkamen.

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