Der BALLacker

… von Bällen und Äckern

Eine Fußballkultstätte in Südhessen

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Wie die Überschrift verrät, geht es diesmal um eine Fußballkultstätte der ganz besonderen Art, welche wahrscheinlich leider nur noch eine sehr begrenzte Laufzeit haben wird, wie sich später noch zeigen wird.

Es geht um das Merck-Stadion am Böllenfalltor, welches man allgemein einfach als das Böllenfalltor kennt. Dieses schon besondere Stadion findet man in der südhessischen Großstadt Darmstadt und es ist Heimspielstätte des SV Darmstadt 98. Aktuell finden dort, nach dem Umbau im Sommer 2015 für die Bundesliga, 17.000 Zuschauer Platz.

Die Stadiongeschichte beginnt schon im Jahr 1919 mit der Fusion von FK Olympia 1898 Darmstadt und dem SC Darmstadt 1905, denn damals wurde der Wunsch zum Bau einer eigenen, großen Sportanlage geäußert. Diesem Wunsch sollte dann zwei Jahre später nachgekommen werden und ein Stadion, welches 8.000 Zuschauer fasste, wurde 1921 gleich mit einer ganzen Festwoche eröffnet.

Natürlich stellt sich die Frage, woher der Begriff Böllenfalltor kommt und die Antwort ist relativ simpel. Es geht um Pappeln, die sogenannten Böllen, welche in der Zeit des großherzoglichen Darmstadts an dieser Stelle wuchsen. Dazu kommt ein altes Stadttor, welches sich in der Nähe des heutigen Stadions befand und fertig ist das Böllenfalltor.

Auch heute noch schmücken übrigens eine Vielzahl von Pappeln den Nordrand dieses Stadions und es gibt an dieser Stelle noch eine Besonderheit, denn diese Böllen dürfen auf Anordnung der Stadtverordnetenversammlung von 1920 nicht gefällt werden, da der Verein die Patenschaft für diese Bäume übernommen hatte.

Wie es nach dem Zweiten Weltkrieg häufiger üblich war, beschlagnahmten US-Truppen auch das Stadion in Darmstadt und nutzten es als Baseballplatz. Erst im Jahr 1950 konnte der SVD dort endlich wieder seine Spiele austragen.

In Zeiten der Oberliga, der damals höchsten Spielklasse, stellte man schon schnell fest, dass das Stadion den Bedingungen dieser Zeit angepasst werden musste. So fanden in der Zeit von 1950 bis 1952 diverse Umbaumaßnahmen statt und aus Kriegsschutt wurden neue Zuschauerränge erbaut, was zu der Zeit auch nicht unüblich war. So konnten bei der Einweihung im Jahr 1952  immerhin schon 25.000 Zuschauer Platz finden.

Fast ein Vierteljahrhundert später, im Jahr 1975, wurde dann die alte Sitztribüne abgerissen und durch eine für damalige Zeiten moderne Konstruktion ersetzt, auf welcher auch heute noch circa 4.000 Zuschauer Platz nehmen können.

In den legendären Jahren der Erstklassigkeit der Darmstädter sorgten diverse Auflagen des DFB dafür, dass schon drei Jahre später, also im Jahr 1978, die Kapazität auf 30.000 Plätze erweitert wurde und weitere drei Jahre später wurde im Jahr1981 eine Flutlichtanlage installiert.

An solchen Beispielen zeigte sich damals schon, wo der Kommerzwahn im Fußball hinführen sollte, denn von diesen Investitionen, welche den finanziellen Zusammenbruch der Lilien zur Folge haben sollte, sollte sich der Verein lange Zeit nicht erholen. Eine weitere Folge war, dass man das Stadion in den Folgejahren an die Stadt verkaufte.

Mittlerweile ist das Böllenfalltor leider auch so marode, dass es nur noch über eine Kapazität von 19.000 Plätzen verfügt, wovon die meisten nicht einmal überdacht sind, wobei dies einer der Punkte ist, warum man von einer Fußballkultstätte sprechen muss.

Wie es mit dem Stadion nun in der Bundesliga weitergehen wird, wird man sehen und es hängt natürlich auch vom Abschneiden in der Saison 2015 / 2016 ab. Was auch immer passieren mag, kann man nur hoffen, dass es eine Kultstätte bleibt, denn kalte und herzlose Fußballtempel hat das Land wirklich schon viel zu viele.

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