Der BALLacker

… von Bällen und Äckern

Polen 2012

Polen hat gerade erst in Zusammenarbeit mit der Ukraine die Fußball-Europameisterschaft 2012 ausgerichtet. Das Land hat aber wesentlich mehr zu bieten als Fußball. Es ist eine der traditionsreichsten Nationen in ganz Europa, die im letzten Jahrhundert eine bewegte Geschichte erlebt hat.

Im Zweiten Weltkrieg war Polen von der deutschen Wehrmacht besetzt und war Zeuge grausamer Kriegsverbrechen und der Judenverfolgung. Auf die deutsche Besatzung folgte die kommunistische Diktatur. Der Einfluss der Sowjetunion war bis zu deren Zerfall deutlich zu spüren. Die seit 1989  nach dem Sozialismus eingeführte Republik Polen ist eine parlamentarische Demokratie mit zwei Kammern. Im Sejm sitzen 460 Abgeordnete und im Senat 100 Senatoren. Der Sejm ist Teil der Legislative und gehört historisch gesehen zu den ältesten Parlamenten der Welt. Er existiert in diversen Formen und mit Unterbrechungen schon seit 1493. Wie in Deutschland gruppieren sich die polnischen Parteien als Fraktionen in eine Regierung und eine Opposition. Seit 2010 regiert der Staatspräsident Bronislaw Komorowski.

Geographisch ist das Land in sechs Zonen unterteilt. Von Nord nach Süd verlaufen die Küstengebiete an der Ostsee fließend in die Rückenlandschaften, das Tiefland, die Hochländer, die Vorgebirge und die Gebirge. Polen gehört zu den Seenreichsten Ländern Europas. Nur Finnland kann mehr geschlossene Wasserfläche pro Quadratkilometer aufweisen. Die Gebirge und Seen sind landschaftlich wunderschön und die Ostseebäder Polens sind beliebte Reiseziele. Warschau ist die Hauptstadt und mit über 1,7 Millionen Einwohnern auch die bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Die polnische Kultur ist traditionsreich und hat viele große Künstler, wie den Filmregisseur Roman Polanski oder auch etliche Komponisten, Maler, Dichter, Architekten und Autoren hervorgebracht.

Aber auch sportlich hat Polen viel zu bieten. Die polnische Fußballliga rangiert zwar nur auf Platz 20 der Fünfjahreswertung und kann deshalb im europäischen Vergleich eher als  zweitklassig angesehen werden, die Liebe zum Fußball steckt den Polen aber im Blut. So mancher Bundesligist ist in der Europa Liga schon auf einen polnischen Verein gestoßen. Die höchste Spielklasse wird Ekstraklasa genannt und existiert bereits seit 1920. Wichtige Vereine sind Legia Warschau, Ruch Chorzow, Slask Wroclaw und Lech Posen, die vergangene Saison die Meisterschaft unter sich ausgemacht haben.

Viele Vereine haben eine lange Tradition die bis in die ersten Tage der Ligaentstehung zurückreichen, wie Cracovia Krakau. Ein Skandal hat den polnischen Fußball vor nicht all zu langer Zeit erschüttert. Negative Schlagzeilen machten die Manipulationen bei Sportwetten auf die Ligaspiele der Ekstraklasa. Vor der EM 2012 sorgten sich die Veranstalter wegen der gewaltbereiten und zum Teil rechtsextremen Hooligan-Gruppierungen in Polen. Schon bei der WM 2006 in Deutschland wurden 3.000 gewalttätige polnische Hooligans erwartet. Bis auf einen Zwischenfall in Dortmund kam es aber zu keinen nennenswerten Ausschreitungen.

Auch die EM 2012 ist weitgehend friedlich verlaufen. Mit fast einer Millionen Verbandsmitgliedern ist Fußball definitiv einer der populärsten Sportarten des Landes. In den Stadien trifft man, wegen Verboten, kaum mehr Hooligans an, doch die Fankultur in Polen ist immer noch extremer als in Deutschland. Das Fehlen von  Familien und Zuschauern aus der Ober- und Mittelschicht, führt dazu, dass immer eine unglaubliche Atmosphäre in den Stadien herrscht.

Bislang ein Ballkontakt

  1. Uli
    26. März 2016

    | 07:24

    Polen war vor vier Jahren noch gemeinsam mit der Ukraine Gastgeber und nun findet man sie bei der Euro 2016 in Frankreich in der Gruppe C wiedervereint. Die weiteren Gegner der Polen beim großen Turnier in diesem Sommer sind somit neben der Ukraine, Deutschland und Nordirland. Die Spiele werden in Nizza, Lyon und Paris ausgetragen.

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