Der BALLacker

… von Bällen und Äckern

Wenn es Religion ist

Ermöglicht durch: Ihr Name / Firmenname. Der Uli hat es ja nun einmal nicht so wirklich mit der Religion, außer vielleicht mit einer kleinen Ausnahme, um die es hier jetzt gehen soll.

Der FC St. Pauli oder ganz korrekt ausgedrückt, der Fußball-Club St. Pauli von 1910 e. V. ist nämlich wesentlich mehr, als einfach nur ein Sportverein, der am Millerntor-Stadion im Hamburger Kultstadtteil St. Pauli, ganz in der Nähe der Reeperbahn, seine Heimspiele bestreitet.

Deshalb fällt diese Vereinsvorstellung auch ein wenig anders aus.

Eine von vielen Besonderheiten, die es zu erwähnen gilt, ist zum Beispiel, dass sich ein nennenswerter Teil der Fanszene am Millerntor, im Vergleich zu anderen Fanstrukturen diverser Fußballvereine, ausdrücklich als politisch versteht.

Schon in den 1990ern setzten sich Fangruppen für eigene, wie auch für die Interessen der direkten Stadionanwohner ein, als ein Stadionneubauprojekt mit angeschlossener Randbebauung des Präsidenten Heinz Weisener bzw. dessen Architekturbüros in Angriff genommen werden sollte. Durch mehrere Demonstrationen, sowie auch durch einen mehrminütigen Schweigeprotest bei einem Heimspiel wurde dieses Projekt schließlich gekippt.

Ein anderes Beispiel ist die Arbeit gegen Stadionverbote, hier zeigt sich die Fangruppierung Pro Fans im St.-Pauli-Umfeld sehr aktiv.

Einen weiteren, großen politischen Schwerpunkt bildet das aktive Einschreiten gegen sexistische oder rassistische Äußerungen im Stadion. So war St. Pauli der erste Verein, welcher entsprechende Verbote in die eigene Stadionordnung einfügte.

Der wohl bekannteste Ausdruck einer etwas anderen Fankultur ist natürlich der legendäre Totenkopf, der in der Tradition jahrhundertealter Piraterie als Symbol des Kampfes von Arm gegen Reich von den Fans verwendet wird. Immerhin konnten die Kiezkicker trotz geringer finanzieller Mittel immer wieder achtbare Erfolge in den verschiedenen Ligen und Wettbewerben verzeichnen. So drücken die Fans sinnbildlich die Rolle des Underdogs aus, der gegen die übermächtigen, reichen Clubs kämpft.

Genau dieses ganz besondere Logo ist mittlerweile auch Teil immer neu aufgelegter Fanartikel, die auch schon einen absoluten Kultstatus haben und nicht umsonst heißt es in diesem Zusammenhang: Die Straße trägt St. Pauli.

Und es sind viele Menschen, die weltweit Pauli nicht nur im Herzen tragen. So hat der Verein rund 500 offiziell registrierte Fanklubs (Stand: Juni 2014) und dies ist noch lange nicht alles, denn eine Studie des Sportvermarkters UFA Sports hat deutschlandweit elf Millionen St. Pauli-Sympathisanten ausgemacht, was mehr als ein Achtel der Bevölkerung darstellt.

Diese Verbundenheit zeigt sich natürlich auch bei den Zuschauerzahlen. So hatte St. Pauli in der Saison 2003 / 2004 in der Regionalliga mit 17.374 Zuschauern einen höheren Schnitt als jeder Zweitligaverein. Selbst bei der Zahl der verkauften Dauerkarten übertrafen sie mehrere Erstligisten.

Es ist eben nicht nur Fußball!

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